So ein Buchstabe, der kann wirklich nichts – rein gar nichts. Er steht rum, sagt nichts, tut nichts, ist einfach nur Buchstabe. Allenfalls, wenn er ein paar Freunde mitbringt, kommt vielleicht ein Wörtchen zustande.

Dokumentation des 18. Bundestreffens

Schriftwechsel

Schrift­wechsel T. 2026

Rudolf Paulus Gorbach hat den Schrift­wechsel T. 2026 kuratiert. Seine Auswahl misst sich mit seiner immensen Erfahrung als Buchgestalter und Hersteller.

Wir stellen vor:

Rudolf Paulus Gorbach
Die Wahl der „richtigen“ Schrift ist eines der Kernthemen der typogra­fischen Arbeiten von Rudolf Paulus Gorbach. Aus Respekt vor den großen, hervorragenden Textschriften, die zur Verfügung stehen, hat er nie an eine eigene Gestaltung einer Schrift gedacht. Zudem gibt es ja eigentlich ohnehin zu viele Schriften auf dem Markt. Das Thema der guten Schrift ist aber nicht nur für die eigene Gestaltungstätigkeit wichtig, sondern vor allem auch in der Aus- und Fortbildung zur Typografie, wo es an prominenter Stelle steht.

Gorbach ist gelernter Buchdrucker, Buchgestalter, Buchhersteller, Typograf und war Dozent an verschiedenen Hochschulen. Sein Seminar „Typografie intensiv“ gibt es seit 30 Jahren.

Anmerkungen des Kurators
Wenn man wie ich eigentlich noch aus den Bleisatz-Jahrhunderten stammt, ist heute eine Schriftwahl, ein Schriftvorschlag besonders reizvoll. Und zudem noch für das WEB und überhaupt nicht für den Druckbereich. Das enorme Angebot und die Vielfalt an Charakteren mit ihrer schweren Übersichtlichkeit machen eine Auswahl nicht ganz leicht. Lesbarkeit und brauchbare Anwendungen dominieren hierbei in meinem Denken. Aus diesem Grund gibt es dieses Jahr keine zu individuelle Schriftformen, die ich zwar auch mag, besonders wenn die Schrift auf einem spannenden Konzept beruht.

Meine Vorschläge für drei Schriften sind trotzdem sehr unterschiedliche Schriften. Je mehr man sich damit befasst, umso individueller erscheinen mir die Schriften. Da es sich nicht um einen Schriftwettbewerb handelt, ist mein Vorschlag durchaus persönlich. Natürlich könnten es auch andere Schriften sein.

Zur Schriftszene und zum Schriftmarkt empfehle ich Martin Tiefenthalers Beitrag zum letztjährigen Schriftwechsel.

Schrift­wechsel T. 2025

Wir machen weiter – mit dem Schriftwechsel – mit den Font-Designer*­innen. Martin Tiefenthaler (tga) hat für uns kuratiert. Mit ihm haben wir nach Österreich geschaut.

Es stellen uns vor:

Martin Tiefenthaler (Mag.)
Selbständiger Grafiker als ID IID III Design, Mitbegründer der typographischen gesellschaft austria (tga); unterrichtete Typografie und Semiotik an der „die Graphische“ in Wien; Vorträge und Workshops zu soziopolitisch-typogra­fischen Fragestellungen; 2017 Mitkurator von „Subtext Typedesign“ und Mitherausgeber des gleichnamigen Katalogs. Arbeitet zur Zeit an seiner Dissertation über den Einfluss der Wahlmöglichkeit, Wörter groß- oder kleinschreiben zu können, auf das europäische Denken. Mitglied der internationalen Forschungsgruppe „Lesbar – Typografie in der Wissensvermittlung“.

nebenbemerkungen des kurators
vorweg: wir leben, was die qualität verfügbarer schriften betrifft, in der absolut besten zeit. „absolut“ meint, dass es noch nie eine zeit gegeben hat, in der schriften derartig herausragender qualität verfügbar waren. nach den mehr oder minder gelungenen versuchen im photosatz, bisher entwickelte bleisatzschriften zu kopieren oder weiterzuentwickeln, hat die digitale revolution der schriftgestaltung zwei ungemein breite und weite wege eröffnet: einerseits eine fülle von beeindruckenden experimenten, die unermesslichen formenreichtum und damit einhergehend überraschende manierismen der gestaltung und folglich des leseverhaltens provozierten und anderseits eine hochblüte klassischer schriftgestaltung, die einen jenson, garamond, bodoni oder baskerville in reines entzücken versetzt hätten. durch fortschrittliche technik unterstützt, hat eine mit großem historischem wissen und handwerklichem können ausgestattete, bislang nie dagewesene menge an gestalter·innen sich intensiv mit schriftdesign beschäftigt und eine unvergleichliche menge an qualität geschaffen. (dass damit einhergehend auch eine unzahl an schrott und defizienten entwürfen produziert wurde, braucht eine·n weder wundern noch beschäftigen.)

natürlich hat der alles verschlingende kapitalismus mit seinem permanenten anspruch, jedwede nennenswerte qualität zu verhindern, vom schriftmarkt besitz ergriffen und ihn monopolisiert. dem gegenüber steht eine aufrechte schar von gestalter·innen, die in kleinen foundries oder als einzelunternehmer·innen sich der sorgfältigen pflege der schriftkultur widmen, die gegenwärtige zeit zur bereits erwähnten absolut besten zeit machen und die jede mögliche art von unterstützung verdienen.

als solches ist das anliegen des forums typografie mit der unternehmung „schriftwechsel“ zu verstehen: hochstehendes schriftdesign zu präsentieren und damit zu einer größeren aufmerksamkeit zu verhelfen. ich wurde als vertreter der typographischen gesellschaft austria/tga vom forum typografie eingeladen, das jahr 2025 zu kuratieren und wir waren uns einig, dass es in bezug auf die wahrnehmung weiblicher beteiligung am historischen und gegenwärtigen schriftdesign von hoher qualität aufholbedarf gibt. die worte „qualität“ und „aufholbedarf“ erklären meine empfehlungen zur präsentation vorliegender schriften.

Das Konzept

„Schrift­wechsel T.“ ist ein Feature von Forum Typografie. Schrift-Designer*­innen leihen uns einen Webfont für ein Jahr. Wir präsentieren diesen auf unserer gesamten Webseite. Über ein eigenes Menü „Schrift­wechsel T.“ (oben rechts auf jeder Seite) können die Fonts ausgewählt werden. Die Auswahl wird anschließend auf die gesamte Internetpräsenz angewendet.

Das „real life tool“ erlaubt Schrift-Designerinnen ihre Arbeit zu zeigen und gleichzeitig Designerinnen, Typografinnen Fonts zu beobachten, zu vergleichen. Auf einer eigenen Seite stellen die Schrift-Designer*­innen sich selbst vor, bieten Hintergründe der Schrift-Entwicklung, Abbildungen zu Anwendungen. Nicht zuletzt ist die Foundry verlinkt.

Aleksa

Zum Start der neuen Internetpräsenz im Sommer 2022 erwarben wir eine Lizenz des Fonts „Aleksa“, um damit unmittelbar ukrainische Schrift-Designer*­innen zu unterstützen – in dem Fall die noch junge Schriftenschmiede AlfaBravo. Da unsere Solidaritätsbekundung weiter Bestand haben soll, wird auch Aleksa weiterhin anwendbar bleiben.

Das Schriftenarchiv

Nach dem aktiven Jahr sind die Schriften natürlich nicht mehr anwendbar. Die Informationen über die Schriften – Kurzübersicht, Texte und Bilder – wechseln ins Schriftenarchiv und bleiben dort.