Schriftwechsel

Virtuelles Forum Typografie

Forum Typografie führt das virtuelle Forum Typografie fort mit all den Themen, die uns gerade interessieren. Ein:e Referent:­in stellt ein spezielles Thema vor. Im Anschluss ist Zeit für Gespräch und Diskussion.

Die virtuellen Konferenzen via Zoom beginnen um 18:00 Uhr. Wer teilnehmen möchte, schickt eine Anfrage an  und erhält rechtzeitig einen Link.

Übersicht

9.12.2025: Mikrotypografie im Web mit Irene Wendler

20.1.2026: AG Typografie und Zivilgesellschaft mit Klaus Peter Staudinger

10.2.2026: Kann deine Typo Deutsch? mit Rainer Erich Scheichelbauer

3.3.2026: Kyrillisch: Bulgarien! Digital font revival of Bulgarian decorative fonts from the 20th century mit Ivan Ginev, New Bulgarian University und Mariya Harbalieva

7.4.2026: Kyrillisch: Ukraine! mit Olha Skorobohatova

12.5.2026: Proportionsstudien mit Rudolf Paulus Gorbach

9.6.2026: Typografische Topografie mit Nora Gummert-Hauser

Aktuelle Termine

Wer Einladungen zum virtuellen Forum Typografie erhalten möchte, kann sich in unseren Verteiler eintragen.

In den Verteiler eintragen

20. Januar 2026

AG Typografie und Zivilgesellschaft
Klaus Peter Staudinger

„Kann es eine Typografie der Zivilgesellschaft geben?“ Dieser Frage geht der Moderator des ersten Zooms 2026 bereits seit einiger Zeit nach. Der Zivilgesellschaft kommen angesichts multipler Krisen und weiterhin notwendigen Transformationen als wesentlicher Player – im Verbund mit Politik und Wirtschaft, welche diese nur nicht ausreichend erfüllen – künftig enorme Aufgaben in diesem Land zu. Dabei ist die heterogen aufgestellte Zivilgesellschaft in ihrer Ganzheit bisher überraschend wenig identifizierbar. Ließe sich dies ändern? Können Schrift und Typografie dabei ein wirksames Mittel sein?

Forum Typografie ist Kooperationspartner des Forums für Entwerfen, das 2026 mit dem Projekt „Civic Design Support!“ offizieller Programm-Partner beim Global Design Capital in Frankfurt am Main sein wird. Der Verein Forum Typografie unterstützt dieses Projekt von seiner Warte aus. Zu diesem Zweck wurde im Sommer 2025 die Arbeitsgruppe „Typografie der Zivilgesellschaft“ initiiert. Klaus Peter Staudinger wird neueste Ergebnisse experimenteller Typo-Forschung, ausgewählte Referenzbeispiele sowie Einblicke in den Kooperationsstand mit dem Forum für Entwerfen präsentieren und zur Diskussion stellen.

Klaus-Peter Staudinger ist Grafikdesigner, Typograf und Fachautor mit Sitz in Wedel bei Hamburg.

10. Februar 2026

Kann deine Typo Deutsch?
Rainer Erich Scheichelbauer

Der deutschsprachige Markt ist immer noch einer der größten in der Typo-Welt. Aber leider kann nicht jede Schrift gut Deutsch. Satzzeichen, Herausforderungen in der Schriftgestaltung, Kerning-Probleme und aktuelle typografische Konventionen: worauf man achten muss, wenn man deutsche Typo produziert. Typografinnen und Schriftdesignerinnen kommen bei diesem Vortrag auf ihre Kosten. Typografen und Schriftdesigner auch.

Rainer Erich Scheichelbauer produziert Schriften (Schriftlabor), unterrichtet Schriftdesign und ist international unterwegs für den Schrift-Editor Glyphs.

3. März 2026

Kyrillisch: Bulgarien!
Digital font revival of Bulgarian decorative fonts from the 20th century

Ivan Ginev, New Bulgarian University

A vast gap lies between the beautiful and unique typography of the past century and contemporary Bulgarian graphic design. Many high-quality fonts now exist only as specimens between the pages of old yellowed books. These letterforms are completely forgotten and inaccessible to young designers.
Our project fontrevival aims to create a typographic bridge between the analogue past and the digital present of the Bulgarian typography. The participants work on digital font revivals, helped in their research by teachers and consultants from the design community.
In this presentation we’ll show the context in which modern Bulgarian Cyrillic letterforms live, the story behind our font revival project, and the progress we’ve achieved so far.

The initiative is led by Dr. Zaharina Petrova-Prodanova (calligrapher and typographer), Ivan Ginev (designer and PhD student), both full-time graphic design lecturers at New Bulgarian University, along with Stefan Peev, lecturer and typographer, founder of LocalFonts.

Diese Veranstaltung führt den ersten Bericht über die bulgarische Schriftgeschichte „Das glagolitische Schriftsystem“ von Mariya Herbalieva fort. Sie wird als sprachliche Vermittlerin an dem Abend zur Verfügung sein.

7. April 2026

Kyrillisch: Ukraine!
Olha Skorobohatova

Wie entsteht eine Typografie, die eine Nation prägt? Welche Geschichten erzählen Buchstaben über Sprache, Kultur und Identität? Und warum wirkt die ukrainische Schrift so eigenständig, anders als die russische oder sowjetische Tradition?

Die Geschichte der ukrainischen Typografie ist geprägt von Unterbrechungen, Anpassungen und Neuanfängen. Von den ersten Druckerzeugnissen über die künstlerischen Experimente der Avantgarde bis hin zu den Einschränkungen während der sowjetischen Zeit zeigt sich, wie stark politische und kulturelle Einflüsse die Form und Gestaltung der Schrift geprägt haben. Trotz aller Hindernisse entwickelte sich eine eigene Schrift, die eng mit der nationalen Identität verbunden ist.

Heute erlebt die ukrainische Typografie einen Aufbruch. Designer:­innen greifen alte Formen auf, interpretieren historische Schriften neu und verbinden Tradition mit modernen Schrifttechnologien. Entstanden ist eine lebendige, selbstbewusste Schriftkultur, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft kreativ miteinander verknüpft.

Olha Skorobohatova ist Künstlerin, Kalligrafin, Illustratorin und Dozentin für Schrift und Typografie. Sie studierte Illustration an der Staatlichen Akademie für Design und Kunst in Charkiw (Abschluss 2008). Schon während des Studiums beschäftigte sie sich intensiv mit Kalligrafie, Lettering und Typografie, besonders mit der Verbindung von Bild und Schrift und der Kyrillisierung lateinischer Lettering-Stile für Bücher.

Bis zum Beginn des Krieges unterrichtete sie Schrift und Typografie in Charkiw und u.a. an der Pädagogischen Universität Charkiw. Seit ihrer Flucht nach Deutschland lehrt sie Kalligrafie an der VHS und Schrift sowie Typografie an der Pädagogischen Hochschule Freiburg.

12. Mai 2026

Visuelle und akustische Proportionsstudien auf der Basis von Le Corbusiers Modulor
Rudolf Paulus Gorbach

Die Studien basieren auf ursprünglich vor 60 Jahren für die Typografie „gangbar“ gemachten Proportionszahlen des Modulors, dem Maßsystem von Le Corbusier. Diese Zahlen dienten für zahleiche gestalterische Anwendungen bei Akzidenzen, Büchern und Zeitschriften. Für die Lehre in der visuellen Gestaltung kamen Experimente hinzu, die in den letzten Jahren verdichtet wurden – nicht nur für Flächen, sondern auch für mikrotypografische Belange. Untersucht wurden auch Farbklänge in proportionalen Abständen. Auf dem 4. Typosalon wurde als praktischer Versuch ein akustisches Klangkonzept vorgestellt, das inzwischen wesentlich erweitert wurde.

Rudolf Paulus Gorbach ist Buchdruckmeister, Buchhersteller, Typograf und Dozent. Hatte sein Studium in Berlin mit einer Arbeit über „Le Corbusiers Modulor als Werkzeug zur Proportionsbestimmung bei der Gestaltung von Drucksachen“ beendet. Dieses System hat ihn oft in der Praxis und als Dozent begleitet. Neben der Gestaltung mit Typografie interessiert ihn auch die zeitgenössische Musik. Weshalb es auch zu einem Konzept durch Proportionsstudien im Klang kam.

9. Juni 2026

Typografische Topografie
Nora Gummert-Hauser

Während ihres Forschungssemester im Jahr 2014 dokumentierte Nora Gummert-Hauser die Westverschiebung der polnischen Grenze anhand von typografischen sogenannten „Ghost Signs“ – also Palimpsesten von Beschriftungen in deutscher Sprache z.B. auf Gebäuden und „Überreste“ deutscher Sprache in anderer Form. Entstanden ist eine Text/Bild-Dokumentation, die sie uns vorstellt.

Nora Gummert-Hauser ist Kommunikations­designerin und unterrichtet an der Hochschule Niederrhein im Bereich Typografie und Editorial-Design. Manchmal forscht sie auch.

5. TypoSalon
9. bis 12. Juli 2026

Krumbach 1, Bad Saulgau

Archiv

9. Dezember 2025

Mikrotypografie im Web
Irene Wendler

Aufgrund der vielen Bildschirmgrößen hat es gezielte Typografie im Web schwer. Es drängt sich manchmal der Eindruck auf, wir wären den Programmierer*­innen ausgeliefert. Ein Einblick in die Möglichkeiten der mikrotypografischen Zurichtung von Texten mittels HTML und CSS. Anliegen ist nicht, all das zu können, aber darum zu wissen.

Irene Wendler ist Gestalterin und Webprogrammiererin in Hamburg.

10. Juni 2025

Schrift. Wahl. Entscheidung.
Eine Entscheidung unter Überfluss. 

Dagmar Natalie Gorbach

Die Schriftwahl für ein anstehendes Projekt ist ein besonderer Moment im Alltag von Typografinnen und Typografen; sie bildet eine wichtige Basis für gestalterisch gelungene Projekte. Aber wie vorgehen bei einer nicht konkret zu benennenden Anzahl (60.000 +) auf dem Markt existierender Schriften, ohne sich in der Suche zu verlieren? Eine Annäherung.

Dagmar Natalie Gorbach, Jahrgang 1966, gelernte Schriftsetzerin, Typografin und visuelle Gestalterin mit Sitz in Hamburg. Gleichwertig zu ihrer Begeisterung für Typografie, Gestaltung, Kunst, Theater, Architektur und die Schönheit des Alltags verfolgt sie mit großem Interesse die Räume menschlicher Entwicklung, angewandter Psychologie und bewusst gelebter Verarbeitungs- und Veränderungsprozesse als Coach und Begleiterin.

13. Mai 2025

Das glagolitische Schriftsystem – zwei Schriften eine Sprache
Mariya Harbalieva

Jedes Volk mit einer gemeinsamen Sprache sucht die Erfindung seiner Schreibkunst in der Vergangenheit und verehrt deren Erfinder. Die Entstehung und Verbreitung des slawischen Alphabets im 9. Jh. erlaubte den slawischen Völkern, einer der größten ethnischen Gruppe in Europa, die Gleichstellung mit anderen Völkern. Sie bildete die Grundlage für die Entwicklung einer eigenen Schreibkunst und Literatur, bewahrte diese und gab sie im Laufe der Jahrhunderte weiter, damit sie nicht in Vergessenheit gerät oder der Zerstörung anheimfällt.

8. April 2025

Typotopien! 2025
Ein Update – Potenziale von Schriftgestaltung und Typografie für eine visuelle Identität der Zivilgesellschaft

Klaus Peter Staudinger

Der Beitrag von Klaus-Peter Staudinger wird sich fortführend mit den Möglichkeiten befassen, welche uns die Typografie im Hinblick auf eine ambitionierte Gestaltung in der Zivilgesellschaft bietet.

Nach theoretischen Überlegungen zu den Begriffen Civic Design / Social Design soll das Augenmerk verstärkt auf vorbildlichen Beispielen aus der Praxis gelegt werden. Dabei wird auch über den Tellerrand, sprich über die deutschsprachlichen Grenzen hinaus, geschaut. Quellen der Recherche in der einschlägigen Literatur und im Internet werden ebenso vorgestellt. Den Abschluss bildet eine Vorschau auf eigene prototypische Module für den „Civic Design – Support!“ im Hinblick auf die DIVE25-Konferenz im Mai in München.

Klaus-Peter Staudinger, Jahrgang 1956, ist dem Forum seit den frühen 1990er Jahren eng verbunden – als Referent, Inspirator und ehemals auch als 2. Vorsitzender. Als selbständiger Grafikdesigner, Typograf und Fachautor ist aus dem Raum Hamburg heraus weitreichend aktiv. Mit seinem Büro farbton bietet er Kunden Typo-orientierte Gestaltung nach Maß, unter dem Label types & more erkundet er forschend und darstellend die Welt der Schrift und Zeichen in allen Nuancen. Für das Forum Typografie ist er Ansprechpartner des vom Forum für Entwerfen lancierten Projekts „Civic Design – Support!“ beim Deutschen Designtag.

11. März 2025

Lesen, Verstehen, Behalten: Didaktische Typografie in naturwissenschaftlichen Lehrwerken
Rosalie Heinen

Lässt sich durch den didaktischen Einsatz von Typografie die Verständlichkeit von Sachtexten fördern? Rosalie Heinen untersucht im Rahmen ihrer Promotionsstudie, wie naturwissenschaftliche Lehrtexte gestaltet werden können, um ihre Zugänglichkeit zu verbessern, ohne dabei inhaltliche oder (fach-)sprachliche Anpassungen vorzunehmen. Die bisherigen Studienergebnisse deuten darauf hin, dass insbesondere sprachlich und leseschwache Schülerinnen und Schüler von gezielt typografisch gestalteten Schulbuchtexten profitieren.

Rosalie Heinen ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Münster und Mitglied der internationalen Forschungsgruppe „Lesbar – Typografie in der Wissensvermittlung“. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen die Verständlichkeit von Bildungsmedien, didaktische Typografie sowie das Potenzial von Visualisierungen in Lehr- und Lernprozessen.

11. Februar 2025

Prima – eine neue Schulschrift zum Lesen- und Schreibenlernen
Martin Tiefenthaler

In Prima wurden die sogenannte Druckschrift und die Schreibschrift gemeinsam konzipiert und gestaltet. Die Schriftform, die Kinder als erstes lernen, hat dadurch die gleiche Architektur wie die zweiterlernte. Der Schritt von unverbundener zu verbundener Schrift ist bereits in den Grundformen der Buchstaben angelegt. Technische Lösungen für ergonomisch sinnvolle Verbindungen sind entwickelt. Dabei sind Unterbrechungen als Möglichkeit vorgesehen: Kinder zu zwingen, immer alle Buchstaben zu verbinden, ist didaktisch nicht sinnvoll und ergonomisch falsch. Prima bietet daher ergonomisch vernünftige Unterbrechungen anhand derer sich zeigen lässt, dass Absetzen erlaubt ist.

Ein Gremium aus international renommierten Designer·innen und Expert·innen hat den Gestaltungsprozess begleitet und begutachtet: Ann Bessemans, BE; Matthew Carter, UK, USA; Florian Hardwig, DE; Sami Kortemäki, FI; Alice Savoie, FR; Just van Rossum, DE, NL.

Der Tokyo Type Directors Club hat der Schrift im März 2023 ein Zertifikat für typographische Exzellenz ausgestellt und im gleichen Jahr wurde sie mit dem Award des Typedirectors Club New York ausgezeichnet.

Martin Tiefenthaler (Mag.): selbständiger Grafiker als ID IID IIIDesign, Mitbegründer der typographischen gesellschaft austria (tga); unterrichtete Typografie und Semiotik an der „die Graphische“ in Wien; Vorträge und Workshops zu soziopolitisch-typografischen Fragestellungen; 2017 Mitkurator von „Subtext Typedesign“ und Mitherausgeber des gleichnamigen Katalogs. Arbeitet zur Zeit an seiner Dissertation über den Einfluss der Wahlmöglichkeit, Wörter groß- oder kleinschreiben zu können, auf das europäische Denken. Mitglied der internationalen Forschungsgruppe „Lesbar – Typografie in der Wissensvermittlung“.

14. Januar 2025

Leichtes Lesen – ein Bericht aus der Praxis
Regina Zimmermann

Lesen ist nicht gleich lesen. Die Schüler*­innen in einer Sonderschulklasse benötigen unterschiedliche Unterstützung in Texten, um diese lesen zu können. Es wird ein kurzer Bericht sein über Binnendifferenzierung und über kreative Herangehensweisen in der schriftlichen Kommunikation der Schüler*­innen.

Regina Zimmermann: Förderschullehrerin

10. Dezember 2024

Leichte Sprache, schwierige Bedingungen
Alexandra Freund-Gobs

Kein Vortrag, eher ein Gespräch oder in ihren Worten: „Frau Magister Alexandra Freund-Gobs, ausgebildet als Übersetzer Leichter Sprache, ohne Dr.-Titel, stellt sich Ihren Fragen“. Auch wir freuen uns über zahlreiche Fragen, die im Vorfeld gerne an die E-Mail geschickt werden können.

Alexandra Freund-Gobs: Versiert und erfahren im Umgang mit der Medien- und Unternehmenswelt, Kommunen und Wohlfahrtsverbände als freie Journalistin für Tagespresse und Tätigkeit in PR, Unternehmenskommunikation, Werbung. Zertifizierte Mediatorin (Wirtschaftsmediatorin IHK/DHBW), Culture Communication Skills® Professional, M.A. Germanistik und Politikwissenschaft und nicht zuletzt Ausbildung Leichte Sprache / Einfache Sprache.