Schriftwechsel

Lesbar. Typografie in der Wissensvermittlung

2015 gründeten Typograf*­innen die Arbeitsgruppe „Lesbar – Typografie in der Wissensvermittlung“. Ulrike Borinski und Rudolf Paulus Gorbach starteten das Projekt 2009 unter dem Namen „Didaktische Typografie“. Sie griffen einen Diskurs auf, der 1982 in Leipzig auf einem Symposium mit gleichem Namen geführt wurde. Es folgten Jahre der Auseinandersetzung in verschiedenen kleinen Kreisen.

Heute ist es eine internationale Arbeitsgruppe mit mehr als 30 Mitgliedern aus Forum Typografie, den Typografischen Gesellschaften München und Austria, Tÿpo und Buch St. Gallen sowie Personen aus Lehre und Forschung. Die AG versteht sich als Initiative, die im Themenkomplex „Typografie in der Wissensvermittlung“ Diskussionen anstoßen und führen, Positionen, Meinungen, Forschungsergebnisse entwickeln und nicht zuletzt typografische Kompetenz und Expertise präsentieren will. Sie will die Themen in die Öffentlichkeit bringen und ein Sprachrohr in Richtung Verlag, Autor, Medien-Herstellung, Politik bilden – im Sinne einer Qualitätsdebatte und der Formulierung eines Qualitätsanspruches.

Im November 2019 ist das Buch Lesbar – Typografie in der Wissensvermittlung im Triest Verlag erschienen. Auf der Website lesbarkeit.org sind außerdem weitere Informationen über das Netzwerk nachzulesen.

Cover Lesbar

Lesbar – Typografie in der Wissensvermittlung

Ulrike Borinski, Rudolf Paulus Gorbach (Hrsg.)
November 2019 im Triest Verlag
ISBN 978-3-03863-039-5

Mit Beträgen von Martin Tiefenthaler, Jürgen Spitzmüller, Miriam Mayrhofer, Ulrike Borinski, Florian Adler, Saskia Kraft, René Spitz, Christina Bugg, Clemens-G. Göller, Sabrina Sieghart, Rosalie Heinen, Susanne Heinicke, Silvia Werfel, Rudolf Paulus Gorbach, Michael Schlierbach, Verena Kiesel, Lisa Neuhalfen, Jan Filek, Antonia M. Cornelius, Björn Schumacher, Albert-Jan Pool, Sabine an Huef, Petra Wöhrmann, Roland Stieger.

Triest Verlag

Didaktische Typografie – Definition in zwei Schritten von Ulrike Borinski

Didaktische Typografie findet statt in didaktischen Prozessen. Bücher in didaktischen Prozessen sind Fachbuch, Lehrbuch, wissenschaftliches Buch, Schulbuch, auch Sachbuch. Sie bezeichnen jedoch Editionen aus verlegerischer Sicht und kennzeichnen ganz vage didaktische Szenarien. Ein Fachbuch ist ein Sachbuch, ein Sachbuch nicht in jedem Fall ein Fachbuch. Ein Schulbuch ist ein Lehrbuch, aber nicht jedes Lehrbuch ist ein Schulbuch. Das Schulbuch basiert auf einer speziellen institutionellen Situation – der Schule. Es ist didaktisch nicht vergleichbar mit dem Lehrbuch im universitären Umfeld.

Didaktische Prozesse regen Lernprozesse an und steuern sie. Diese Lernprozesse haben Veränderungen zum Ziel. Erfolgreich sind sie, wenn die Veränderung erreicht wurde. Dies ist überprüfbar. Ein didaktischer Vorgang ist absichtsvoll. Ziel und Etappen sind definiert. Dazu werden Gesamtsituation, Beteiligte und Methoden klassifiziert und in die Planung integriert. Lernprozesse sind Kommunikationsprozesse und somit medienorientiert. Ist Text das Medium, wird die Typografie zum Träger.

Didaktische Typografie findet dort statt, wo in didaktischen Prozessen Text eingesetzt wird. Die Didaktik wird realisiert über ihre Methoden. Vielfältig unterscheiden sie zwischen verschiedenen Aspekten der Lehrsituation, der Lernsituation. Der Lerner wird präzise bestimmt, ebenso die Lernumgebung. Die Typografie in didaktischen Prozessen muss nahe den didaktischen Methoden verortet werden. Eine Textstelle kursiv auszeichnen ist sicher eine typografische Maßnahme aber vielleicht noch keine didaktische Methode. Die Auszeichnung muss eine Rolle innerhalb eines didaktischen Kontextes übernehmen. Diese Rolle muss definiert sein, sich vermitteln und sie muss prüfbar sein. Will man Typografie didaktisch nennen, dann muss man benennen, wie die Typografie das genau leisten soll und muss auch die Überprüfung möglich machen.

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