9. bis 11. Juni 1995 | Kassel
Universität Gesamthochschule Kassel


Den vierhundert, unter einer Zirkuskuppel versammelten Besuchern wurde ein Programm geboten, das mitunter an zirzensische Attraktionen erinnerte: Spannung und Unterhaltung bestimmten in gleichem Maße das Bundestreffen des Forum Typografie.

bild2.jpg
Den Auftakt bildete eine amüsante, mitunter auch lehrreiche »Kleine Botanik für Grafiker«. Hinter diesem ungewöhnlichen Titel verbarg sich eine von Lucius Burckhardt intelligent und witzig vorgetragene Historie der Klassifikations- und Benennungsprobleme.
Hintergründig hatte dieser Vortrag auch mit Typografie zu tun, denn die Abbildungen stellten überwiegend alte Herbarien und zeitgenössische Beschilderungen botanischer Gärten dar.
Anschließend stellte Friedrich Forssman die von ihm gestaltete »Edition Huflattich, Stümper & ff« vor, eine nicht ganz Ernst zunehmende Reihe literarischer Verballhornungen.
Die beiden Autoren dieser Edition, Jörg W. Gronius und Bernd Rauschenbach, gaben zur großen Freude des Publikums einige Kostproben ihrer Sprachakrobatik zum Besten.

Der zweite Tag begann mit einer wertenden »Schriftschau«, in der Friedrich Forssman und Peter Willberg unter lebhafter Beteiligung Günter Gerhard Langes zu Problemen des Schriftentwurfes und der Schriftanwendung Stellung bezogen. Diskussionspunkte waren die Eigenmächtigkeiten von Typedesignern bei der Adaption historischer Schriften auf neue Satzanlagen sowie Veränderungen, die entstehen, wenn ganze Alphabete zwecks Umgehung von Lizenzgebühren nachgeahmt werden. In diesem Zusammenhang kam auch der Hang zur unpassenden Schriftwahl zur Sprache. Schriften, deren Gestaltungsprinzipien – wie bei der Avant Garde oder Optima – dominieren, ziehen oft die Aufmerksamkeit vom Inhalt auf sich selbst. Einige der anwesenden Typografielehrer wussten zu berichten, dass Schriftentscheidungen des Öfteren danach fallen, was gerade an Schriften im Schulrechner installiert ist.

Der Samstagnachmittag gehörte überwiegend dem Themenstrang »Typografie – lehren und lernen«. In einem Podiumsgespräch stellten Typografielehrer aus Deutschland und der Schweiz ihre Unterrichtsziele vor. Sie betonten unisono die unverbrüchliche Einheit von Inhalt und Gestaltung.
Der abendliche Höhepunkt war die Prämierung des von Kasseler Studierenden initiierten Daumenkino-Wettbewerbes.

buch2.jpg







Viel Freude bereitete
ein vom Arbeitskreis Hannover
verteiltes Typospiel.


Die zehn besten typografischen Daumenkinos wurden virtuos in den Kinoklassiker Casablanca einmontiert, und in dieser »Neufassung« dem Publikum zu dessen allergrößten Freude vorgeführt.

Der Sonntag war, alten Forumstraditionen gemäß, den mitgebrachten Teilnehmerarbeiten vorbehalten.
bild4.jpg

Die mitgebrachten Teilnehmerarbeiten wurden mit großem Interesse begutachtet.

buch2.jpg


Dokumentation
6 Heftchen im Schuber,
zum 12. Forum Typografie,
Verlag Hermann Schmidt, Mainz.
ISBN 3-87439-393-3
gesamt 250 Seiten, 105 x 160 mm, Rückendrahtheftung.
Vergriffen

iDD