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   Anne Cuneo:
  »Garamonds Lehrmeister«


   Andreas Maxbauer liest ein Buch –
   Garamond antiquarisch

Mitunter ist es ja nicht ganz leicht, seinem privaten Umfeld zu schildern, was Typografierende so machen und warum Buchstaben faszinierend sind.
Wie schön, dass Anne Cuneo einen Roman geschrieben hat, der uns bei der Vermittlung behilflich sein kann. Es ist einer dieser vielen, gut geschriebenen Historienromane mit all den üblichen Zutaten, inklusive Liebesgeschichten, dramatischen Wandlungen, korrupten Herrscherhäusern, Freundschaften bis in den Tod etc.

Zu dem für uns interessanten Teil:
»Garamonds Lehrmeister« schildert die Lehr- und Berufsjahre Claude Garamonds. Hauptperson ist Garamonds Ausbilder und väterlicher Freund Antoine Augereau, der wie viele Drucker seiner Zeit, als Ketzer angeklagt wird und auf dem Scheiterhaufen endet. Nebenpersonen sind viele bekannte Frühdrucker, über deren Wirken recht anschaulich berichtet wird, insbesondere Aldus Manutius, Geoffroy Tory, Henri und Robert Estienne. So werden – soweit einer fachlich nicht geprägten Leserschaft zumutbar – die rudimentären Grundlagen der Schriftgestaltung und des Schriftschneidens ebenso korrekt geschildert wie des Setzens und Druckens.

Beim Lesen kommt einem Vieles bekannt vor, auch wenn es vor einem halben Jahrtausend geschah: Die von einer schönen Schrift ausgehende Faszination wird von der infizierten Anne Cuneo häufig und gerne ins Spiel gebracht, ebenso die Diskussionen öber Vorzüge und Nachteile einiger Schriften. Das Buch selbst ist in der möglichst »naturbelassenen« Garamond-Antiqua von William Ross Mills gesetzt.
Dem Roman folgt ein typografie- und schrifthistorischer Anhang zur Geschichte der französischen Renaissance-Antiqua sowie dem Leben und Wirken von Claude Garamond und Antoine Augereau. Auch hier ist alles gut recherchiert; fachlich beraten wurde Anne Cuneo von Adrian Frutiger und Max Caflisch.

»Garamonds Lehrmeister« ist ein empfehlenswerter Roman für alle, die etwas über die Frühdruckerzeit lernen möchten, für Schrift sensibilisiert werden sollen oder für die Weihnachtstage noch etwas analoge Typografie suchen.

Anne Cuneo: »Garamonds Lehrmeister«
Gebunden: Limmat Verlag, 558 Seiten, 37,50 Euro
Taschenbuch: Knaur Taschenbuch, 589 Seiten, 8,95 Euro

Weitere Informationen können in unserem Typoloquium nachgelesen werden (Anmeldung erforderlich):
www.typoloquium.de




Der Archivar und Historiker Gebhard Mehring lieferte im Jahr 1931 mit seinem Werk »Schrift und Schrifttum« eine kompakte Synopse abendländischer Schriftgeschichte.
Wer es genau wissen will, ist mit Otto Mazals Standardwerk »Paläographie und Paläotypie« zweifellos besser bedient.
Das auf wikisource.de vorliegende Werk Mehrings ist aus mehreren Gründen trotzdem interessant:
es ist kostenlos und online verfügbar,
es bietet sich als schnell rezipierbarer Einstieg ins Thema an,
neben den gescannten Originalseiten liegt auch eine transkribierte Textfassung vor,
die faksimilierten Schrifttafeln im Anhang bieten interessantes Anschauungsmaterial,
der Sprachduktus vermittelt interessante Einblicke in die Historiografie der 1930er Jahre.

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   Christina Paoli:
  »Mexican Blackletter«


   Rezension von Birgit Walter

Am 24. Januar 2006 stellte Christina Paoli bei typophile ihr Prüfungprojekt für ihren MA Typo/Graphic Studies am Londoner College of Communication (LCC) vor: eine Dokumentation mexikanischer Frakturschriften.
Im Dezember 2006 wurde Paolis Buch dann veröffentlicht.
Neben den Besonderheiten in den Formen mexikanischer Frakturversionen hatte sie zusätzlich deren historische Bezüge sowie die bevorzugten Anwendungsgebiete im heutigen öffentlichen Raum untersucht. Sie sortierte und analysierte die überwiegend handgeschriebenen Lettern und kam schließlich auf weit über 1500 verschiedene Formen.

Christina Paoli: »Mexican Blackletter«
Gebundene Ausgabe: Mark Batty Publisher, New York, 2006
ISBN-10: 0977282783, ISBN-13: 978-0977282784
Sprache: Englisch

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